PM 04.07.03 SCO stellt sich tot: Doch keine Lizenzgebühren für Linux

Wie berichtet[0] stehen Vertreter des Vereins zur
Förderung Freier Software[1] in ständigem Kontakt mit
der Rechtsvertretung der österreichischen und deutschen
Niederlassungen von SCO, jenem Unternehmen, das
Linuxentwicklern und -nutzern seit Monaten die
Verletzung geistiger Eigentumsrechte vorwirft. Diese
nach wie vor in keiner Weise belegten Anschuldigungen
gipfelten jüngst in dem Vorstoß von SCO, für Linux
Lizenzgebühren verlangen zu wollen, was - wie ebenfalls
berichtet[2] - einer unrechtmäßigen Aneignung von Linux
durch SCO gleichkäme, diese also selbst dem
Softwarepiraterievorwurf aussetzen würde. Dem FFS liegt
nun ein Schreiben des SCO-Anwalts vor, das wörtlich
versichert die hiesige SCO-Vertretung hätten mit diesen
Forderungen "nichts zu tun". Die anwaltliche Vertretung
von SCO, die auf telefonische Anfrage des FFS auch
einräumte, die urheberrechtlichen Ansprüche, die SCO
geltend macht, hätten kaum Substanz, versichert in dem
Schreiben weiters, SCO täte alles, um sich an jene
Gerichtsbeschlüsse, die das Unternehmen zwingen jede
weitere Rufschädigung an Linux und seinen Nutzern zu
unterlassen, zu halten.

"Es ist klar, das SCO sich in dieser Sache hierzulande
vorerst totzustellen versucht." meint dazu Mag.iur.
Georg Jakob, Vorsitzender des FFS. "Denn noch verbietet
das europäische Recht jenes Schmarotzertum, das
inzwischen in den USA zum Alltag gehört für den Dot-Com
Crash mitverantwortlich ist: Hier ziehen Unternehmen,
die selbst seit Jahren jede Innovationsfähigkeit
verloren haben marodierend durch die New Economy und
klagen kleine, aufstrebende Unternehmen auf der
Grundlage irgendwelcher Trivialpatente - man denke nur
an den berühmten Fortschrittsbalken - in den
wirtschaftlichen Ruin. Doch nach dem 1. September
könnte dies bei uns ähnlich aussehen."

Denn die Business Software Alliance (BSA), also jene
von Microsoft und anderen amerikanischen Softwareriesen
dominierte Lobbyingorganisation, die schon seit
geraumer Zeit auch in Europa mit zweifelhaften Mitteln
- etwa mit direkten Denuzitionsaufrufen[3][4] - Jagd
auf "Softwarepiraten" macht, hat nun einen
Richtlinienentwurf ins Europäische Parlament gepresst,
über den am 1. September zu entscheiden ist. Obwohl von
der deutschen bis zur österreichischen
Wirtschaftskammer[5] alle relevanten
Interessensvertretungen Stellungnahmen gegen die
vorliegende Fassung abgegeben haben, stehen die Chancen
gut, dass der Entwurf durchgeht.

"Damit werden nicht nur jede Art von Programmfunktionen
patentier- und damit monopolisierbar," so Jakob weiter "
sondern schlicht und einfach jede Art nützlicher
Geschäftsidee. Die geplante Regelung also nicht nur ein
direkter Angriff auf Freie Software, sondern auf die
europäische IT-Industrie als solche. "Warm anziehen" wird
hier nicht reichen: Vor allem kleine und mittlere
Unternehmen werden sich hier ein neues Geschäftsfeld
suchen oder schlicht und einfach zusperren müssen."

[0] http://www.ffs.or.at/presse/pm-20030616.txt

[1] http://www.ffs.or.at

[2]http://www.ffs.or.at/presse/pm-20030723.txt

[3]http://www.microsoft.com/piracy/reporting/report/enduser_form.asp

[4]http://www.bsa.de/melden/hinweise_s1.php

[5] http://www.ffs.or.at/presse/pm-20030728-long.txt

Mag.iur. Georg Jakob
Vorsitzender des FFS